Der französische Markt ist für viele deutsche Unternehmen der nächste Nachbar und oft der erste Auslandsschritt. Mit den Geschäften kommen die Dokumente: Lieferverträge, Angebote, Jahresabschlüsse, Handelsregisterauszüge und Mails mit Anwälten.
Alle diese Unterlagen müssen in der Sprache der Leser vorliegen. Wer sie nur ungefähr versteht, unterschreibt im Zweifel mehr, als er will. Dieser Beitrag zeigt, wie Unternehmen die Übersetzung sauber organisieren.
Welche Dokumente zuerst übersetzt werden sollten
Nicht jede Seite braucht sofort eine Übersetzung. Zuerst kommen die Papiere, die Pflichten und Zahlungen festlegen: Verträge, allgemeine Geschäftsbedingungen, Preislisten und Garantiebedingungen.
Danach folgen Unterlagen für Banken, Behörden und Prüfer, etwa Bilanzen, Handelsregisterauszüge und Vollmachten. Interne Mails und Notizen lassen sich oft mit einer Zusammenfassung abdecken.
Warum Fachwissen zählt
Das französische Wirtschaftsrecht hat eigene Begriffe, die sich nicht eins zu eins ins Deutsche übertragen lassen. Eine „société anonyme“ und eine „société par actions simplifiée“ sind keine bloßen Varianten derselben Rechtsform, und eine falsche Wahl verändert, wer im Unternehmen entscheidet.
Gute Übersetzer kennen beide Systeme und wählen den Begriff, der im deutschen Recht dieselbe Wirkung hat. Wo es keine Entsprechung gibt, behalten sie das französische Wort und erklären es kurz.
Zahlen, Daten und Währungen
Auch scheinbar einfache Angaben bergen Fallen. Im Französischen steht zwischen den Tausendern oft ein Leerzeichen, als Dezimaltrennzeichen dient das Komma. Ein Betrag wie 1 250,50 ist im Deutschen 1.250,50.
Datumsangaben lauten auf Französisch zwar ähnlich wie auf Deutsch, doch Geschäftsjahre enden nicht immer am 31. Dezember. Ein sorgfältiger Übersetzer prüft deshalb jede Zahl und jede Frist einzeln.
Wann eine beglaubigte Übersetzung nötig ist
Nicht jedes Geschäftsdokument braucht einen Stempel. Wer die Papiere jedoch einem Gericht, einer Behörde oder einer Bank vorlegt, muss damit rechnen, dass eine beglaubigte Fassung verlangt wird. Das gilt besonders für Handelsregisterauszüge, Satzungen und Vollmachten.
Fragen Sie vorab bei der empfangenden Stelle, welche Form sie wünscht. Ein kurzer Anruf spart eine zweite Bestellung.
Einheitliche Begriffe im ganzen Unternehmen
Je mehr Dokumente zusammengehören, desto wichtiger ist ein gemeinsames Glossar. Heißt der Lieferant einmal „Zulieferer“ und einmal „Vertragspartner“, entstehen Auslegungsfragen.
Legen Sie fest, welche Begriffe verbindlich sind, und geben Sie die Liste an alle Übersetzer weiter. Das kostet eine Stunde und erspart viele Rückfragen später.
Der richtige Partner für den Sprachweg
Für regelmäßige Aufträge zahlt sich ein fester Partner aus. Er kennt Ihre Begriffe, Ihre Produkte und Ihre Tonlage. Bei einer professionellen Übersetzung Deutsch Französisch sollten Sie fragen, ob der Text von einem Muttersprachler in der Zielsprache stammt und ob eine zweite Person gegenliest.
Fragen Sie außerdem, ob der Anbieter ein Glossar führt und aktualisiert. Das ist bei laufenden Projekten der größte Hebel für gleichbleibende Qualität.
Vor dem Markteintritt an alles denken
Viele Unternehmen merken erst nach dem Start, welche Dokumente sie vergessen haben: Produktdatenblätter, Datenschutzhinweise, Kundenverträge, Rechnungsvorlagen. Jedes davon wird irgendwann von einem französischen Kunden oder Prüfer gelesen.
Eine Übersicht darüber, was Unternehmen vor einer Expansion oft vergessen, bietet der Beitrag Geschäftsdokumente vor der Expansion, der typische Lücken auflistet.
Hilfreiche Anlaufstellen
Wer in Frankreich Geschäfte aufbauen will, findet bei den Industrie- und Handelskammern Informationen zu Märkten, Formalitäten und Ansprechpartnern. Die Übersicht der Industrie- und Handelskammern ist ein guter Startpunkt, um Anforderungen für Ihre Branche zu klären.
Dort erfahren Sie auch, welche Dokumente für Zoll, Registrierung und Förderprogramme eine Übersetzung brauchen.
Wie lange es dauert
Ein Vertrag mit zehn Seiten ist bei einem erfahrenen Übersetzer oft in zwei bis drei Werktagen fertig, ein Jahresabschluss braucht mehr Zeit. Eilaufträge sind möglich, kosten aber extra und gelingen nur bei sauberen, bearbeitbaren Dateien.
Ein eingefrorener Ausgangstext ist die günstigste Qualitätssicherung. Jede Änderung nach Beginn der Übersetzung muss in beiden Fassungen nachgezogen werden.
Dateiformate und Layout
Schicken Sie nach Möglichkeit bearbeitbare Dateien statt gescannter PDFs. Tabellen, Fußnoten und Kopfzeilen lassen sich so direkt übernehmen, und das Layout bleibt erhalten.
Bei Scans lohnt sich ein sauberer Durchgang vorab: gerade ausrichten, in Farbe scannen und alle Seiten in der richtigen Reihenfolge senden.
Vertraulichkeit
Geschäftsunterlagen enthalten Preise, Namen und Strategien. Fragen Sie den Anbieter, wie er mit vertraulichen Daten umgeht, ob eine Verschwiegenheitserklärung dazugehört und wo die Dateien gespeichert werden.
Seriöse Anbieter beantworten das ohne Zögern und schriftlich.
Typische Fehler
Drei Fehler tauchen immer wieder auf. Verträge werden aus einer veralteten Vorlage übersetzt. Mehrere Übersetzer arbeiten ohne gemeinsames Glossar. Anlagen und Fußnoten bleiben liegen, weil sie im Layout versteckt sind.
Alle drei lassen sich mit einer kurzen Checkliste vor der Auftragsvergabe vermeiden.
Was es kostet
Der Preis pro Wort ist die bekannteste Zahl und die am wenigsten aussagekräftige. Fragen Sie, ob Zweitprüfung, Glossar und Formatierung enthalten sind, und vergleichen Sie die Endsumme.
Eine günstige Übersetzung, die zweimal korrigiert werden muss, ist am Ende die teurere.
Am Ende zählt das Ergebnis
Geschäftsunterlagen aus Frankreich verdienen dieselbe Sorgfalt wie das Geschäft selbst. Übersetzen Sie zuerst, was Pflichten schafft, setzen Sie auf Fachwissen und feste Begriffe und klären Sie früh, ob eine Beglaubigung nötig ist.
So wird aus dem Dokumentenstapel eine verlässliche Grundlage für den Erfolg auf dem Nachbarmarkt.
